Interkulturelle Orientierung und interkulturelle Öffnung - was ist das?
Interkulturelle Orientierung
Der Begriff interkulturelle Orientierung bezeichnet allgemein eine strategische
Ausrichtung in Organisationen oder Betrieben, die eine anerkennende
Haltung gegenüber kultureller Vielfalt einnimmt. Dem liegt
die Erkenntnis zugrunde, dass Zuwanderung und Globalisierung
unsere Gesellschaft geprägt haben und in allen Bereichen
einen kompetenten Umgang mit Vielfalt und Differenz erfordern.
Diese Haltung ist überwiegend sozialpolitisch begründet.
Sie erkennt an, dass die unterschiedlichen Gruppen einer kulturell
vielfältigen Bevölkerung verschiedenartige Bedürfnisse
und Interessen haben und es Möglichkeiten geben muss, diese
gleichberechtigt zu äußern und zu vertreten. Das
geschieht durch die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen
(z.B. in Bildung, Ausbildung, Arbeitsmarkt, Sport, Freizeitaktivitäten,
usw.).
Mit einer interkulturellen Orientierung wird anerkannt, dass das Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten Aushandlungsprozesse erfordert. Diese werden möglich, wenn eine Organisation oder ein Betrieb interkulturelle Orientierung als Querschnittsaufgabe begreift und diese auf allen Ebenen verankert. Sie muss im Leitbild ausgedrückt, nach außen und innen kommuniziert und als langfristiger Prozess auf allen Ebenen begriffen werden.
Wenn interkulturelle Orientierung als Strategie verstanden und mit adäquaten Maßnahmen umgesetzt wird, spricht man eher von interkultureller Öffnung. Nach diesem Verständnis geht also die Orientierung dem aktiven Prozess der Öffnung voraus. Doch wird häufig auch interkulturelle Orientierung als Strategie inklusive der resultierenden Aktivitäten begriffen. Nicht immer wird klar zwischen den beiden Begriffen getrennt.
Auch ich verwende den Begriff interkulturelle Orientierung in
dem Sinne, dass er als Mainstreaming-Strategie Elemente der
Organisations-, Personal- und Qualitätsentwicklung beinhaltet.
Interkulturelle Öffnung
Unter interkultureller Öffnung wird die Umsetzung der
strategischen Ausrichtung der interkulturellen Orientierung
verstanden. Sie ist ein zielgerichteter Prozess der Personal-
und Organisations- bzw. Unternehmensentwicklung, der sowohl
auf struktureller als auch auf individueller Ebene stattfindet.
Sie befähigt die entsprechenden Institutionen und ihre
Akteure und Akteurinnen zum kompetenten und professionellen
Umgang mit kultureller Vielfalt.
Ziel ist es,
- bestimmte Strukturen so zu verändern, dass auch Menschen
mit Migrationshintergrund die gleichberechtigte Teilhabe an
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Prozessen
ermöglicht wird.
--> Partizipation ermöglichen
- mögliche Hindernisse beim Zugang werden erkannt und
beseitigt.
--> Barrieren abbauen
- zu signalisieren, dass der professionelle Umgang mit der
kulturellen Vielfalt der Bevölkerung selbstverständlich
zur Qualität der Organisation gehört.
--> Kulturelle Vielfalt als Normalfall
behandeln
Interkulturelle Öffnung besteht aus einem Paket von
Maßnahmen und Instrumenten, die je nach Kontext, Institution
bzw. Betrieb und Rahmenbedingungen unterschiedlich sind und
insgesamt zum Qualitätsmanagement gehören.
Der Prozess der interkulturellen Öffnung vollzieht sich:
-
auf der Ebene der Organisation (Implementierung der strategischen Ausrichtung, strukturelle Verankerung als Querschnittsaufgabe, Leitbildentwicklung, Entwicklung partizipativer Strukturen, etc.)
- auf der Ebene des Personals (auf kulturelle Vielfalt zielende Personalauswahl, interkulturelle Personalentwicklung, Fort- und Weiterbildung, etc.)
- auf der Ebene der Angebote oder Produkte
Idealerweise wird die interkulturelle Öffnung "von oben" gewollt und "auf
allen Ebenen" getragen. Die Debatte, ob der Prozess "bottom
up", "top down" oder aus beiden Richtungen eingeleitet werden
muss, wird seit Jahren geführt. Prinzipiell sind alle
Varianten möglich, und in der Realität werden sie
kaum ausschließlich stattfinden, insbesondere da der
Ansatz am besten im Rahmen von Organisationsentwicklung betrieben
wird.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass auch engagierte Aktivitäten
"von unten" an strukturelle Grenzen stoßen, wenn "von
oben" keine Einsicht in die Notwendigkeit interkultureller
Öffnung besteht. Das hat dazu geführt, dass interkulturelle
Öffnung vorrangig als Aufgabe der Leitungsebene angesehen
wird.
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