Christine Tuschinsky


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Interkulturelle Orientierung und interkulturelle Öffnung - was ist das?


Interkulturelle Orientierung

Der Begriff interkulturelle Orientierung bezeichnet allgemein eine strategische Ausrichtung in Organisationen oder Betrieben, die eine anerkennende Haltung gegenüber kultureller Vielfalt einnimmt. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass Zuwanderung und Globalisierung unsere Gesellschaft geprägt haben und in allen Bereichen einen kompetenten Umgang mit Vielfalt und Differenz erfordern.

Diese Haltung
ist überwiegend sozialpolitisch begründet. Sie erkennt an, dass die unterschiedlichen Gruppen einer kulturell vielfältigen Bevölkerung verschiedenartige Bedürfnisse und Interessen haben und es Möglichkeiten geben muss, diese gleichberechtigt zu äußern und zu vertreten. Das geschieht durch die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen (z.B. in Bildung, Ausbildung, Arbeitsmarkt, Sport, Freizeitaktivitäten, usw.).

Mit einer interkulturellen Orientierung wird anerkannt, dass das Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten Aushandlungsprozesse erfordert. Diese werden möglich, wenn eine Organisation oder ein Betrieb interkulturelle Orientierung als Querschnittsaufgabe begreift und diese auf allen Ebenen verankert. Sie muss im Leitbild ausgedrückt, nach außen und innen kommuniziert und als langfristiger Prozess auf allen Ebenen begriffen werden.

Wenn interkulturelle Orientierung als Strategie verstanden und mit adäquaten Maßnahmen umgesetzt wird, spricht man eher von interkultureller Öffnung. Nach diesem Verständnis geht also die Orientierung dem aktiven Prozess der Öffnung voraus. Doch wird häufig auch interkulturelle Orientierung als Strategie inklusive der resultierenden Aktivitäten begriffen. Nicht immer wird klar zwischen den beiden Begriffen getrennt.

Auch ich verwende den Begriff interkulturelle Orientierung in dem Sinne, dass er als Mainstreaming-Strategie Elemente der Organisations-, Personal- und Qualitätsentwicklung beinhaltet.


Interkulturelle Öffnung

Unter interkultureller Öffnung wird die Umsetzung der strategischen Ausrichtung der interkulturellen Orientierung verstanden. Sie ist ein zielgerichteter Prozess der Personal- und Organisations- bzw. Unternehmensentwicklung, der sowohl auf struktureller als auch auf individueller Ebene stattfindet. Sie befähigt die entsprechenden Institutionen und ihre Akteure und Akteurinnen zum kompetenten und professionellen Umgang mit kultureller Vielfalt.

Ziel ist es,
- bestimmte Strukturen so zu verändern, dass auch Menschen mit Migrationshintergrund die gleichberechtigte Teilhabe an gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Prozessen ermöglicht wird.
--> Partizipation ermöglichen
- mögliche Hindernisse beim Zugang werden erkannt und beseitigt.
--> Barrieren abbauen
- zu signalisieren, dass der professionelle Umgang mit der kulturellen Vielfalt der Bevölkerung selbstverständlich zur Qualität der Organisation gehört.
--> Kulturelle Vielfalt als „Normalfall“ behandeln

Interkulturelle Öffnung besteht aus einem Paket von Maßnahmen und Instrumenten, die je nach Kontext, Institution bzw. Betrieb und Rahmenbedingungen unterschiedlich sind und insgesamt zum Qualitätsmanagement gehören.

Der Prozess der interkulturellen Öffnung vollzieht sich:

  • auf der Ebene der Organisation (Implementierung der strategischen Ausrichtung, strukturelle Verankerung als Querschnittsaufgabe, Leitbildentwicklung, Entwicklung partizipativer Strukturen, etc.)
  • auf der Ebene des Personals (auf kulturelle Vielfalt zielende Personalauswahl, interkulturelle Personalentwicklung, Fort- und Weiterbildung, etc.)
  • auf der Ebene der Angebote oder Produkte

Idealerweise wird die interkulturelle Öffnung "von oben" gewollt und "auf allen Ebenen" getragen. Die Debatte, ob der Prozess "bottom up", "top down" oder aus beiden Richtungen eingeleitet werden muss, wird seit Jahren geführt. Prinzipiell sind alle Varianten möglich, und in der Realität werden sie kaum ausschließlich stattfinden, insbesondere da der Ansatz am besten im Rahmen von Organisationsentwicklung betrieben wird.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass auch engagierte Aktivitäten "von unten" an strukturelle Grenzen stoßen, wenn "von oben" keine Einsicht in die Notwendigkeit interkultureller Öffnung besteht. Das hat dazu geführt, dass interkulturelle Öffnung vorrangig als Aufgabe der Leitungsebene angesehen wird.



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